Die 6 Burnout-Phasen & wie ich sie erlebt habe - Burnout selbst behandeln
Die 6 Burnout-Phasen. In welcher steckst du?

Die 6 Burnout-Phasen & wie ich sie erlebt habe

Anhand der 6 Burnout-Phasen kannst du vielleicht noch besser feststellen, wo du dich gerade befindest und warum du die Notbremse jetzt ziehen solltest.

In diesem Artikel beschreibe ich dir 6 Burnout-Phasen, so wie ich sie erlebt habe.

Vielleicht erkennst du dich an irgendeinem Punkt wieder. Schreibe mir gern im Kommentar.

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Die Burnout-Phasen

Die 6 Phasen beschreibe ich dir so, wie ich sie erlebt habe. Ich schildere dir verschiedene Momente in meinem Leben, um dir die Phasen bildlich zu beschreiben. Denn ich selbst finde Modelle doch immer sehr anstrengend und oft zu abstrakt.

Meine 6 Burnout-Phasen

Manche Phasen sind länger als andere. Manch eine Phase erleben wir vielleicht nur wie ein "Sprungbrett" in die nächste Phase.

Stell dir vor, du würdest auf einer Treppe ganz oben stehen und du gehst mit jeder Phase eine Stufe nach unten. 

Burnout-Phase 1: Du bist übertrieben ehrgeizig

In der ersten Phase denkst du keinesfalls an Burnout, denn alles ist super - aber nur in deinen Augen. In dieser Phase willst du allen zeigen, was du kannst und wieviel du im Stande bist, zu schaffen.

Oft kommt es vor, dass Betroffene in der ersten Phase schon häufiger Stimmungsschwankungen haben, die aber abgetan werden.

Deine Bereitschaft immer wieder Höchstleistungen zu bringen ist sehr groß. In dieser Phase bist du dir selbst nicht wichtig, sondern nur deine Leistung.

Als ich in dieser Phase gewesen bin, hatte ich mehrere Jobs. Ich ging volle Kraft voraus. Vor allem in meiner Praxis forderte ich mir Höchstleistungen ab. Maximale Konzentration, maximale Terminauslastung. Diese Phase habe ich sehr lang durchgehalten. Rückblickend waren es zirka 2,5 bis 3 Jahre. 

Ich habe nie darüber nachgedacht, ob es mir gut tut oder nicht, sondern einfach gemacht. Und genau das ist der Punkt. Es ging nie um mich, sondern immer nur um Leistungen.

Genau genommen spielt dabei eine große Rolle, wie wir gesehen werden wollen. Perfektionismus wird in dieser Phase großgeschrieben und bestimmt den Alltag.  

Burnout-Phase 2: Du ignorierst deine Überforderung

Wenn du beginnst zu ignorieren, dass du überfordert bist und deine eigenen Bedürfnisse ausblendest, dann bist du in der zweiten Phase angekommen.

Du merkst jetzt, dass du deine optimale Leistung nicht mehr abrufen kannst. Immer wieder versuchst du dich hundertprozentig zu konzentrieren, aber es gelingt dir immer weniger. 

Du wirst launisch. Außerdem fühlst du dich häufig von anderen Menschen (meistens von Familie und Freunden) angegriffen und bedroht. 

In dieser Phase habe ich mich gefühlt zirka 9 Monate aufgehalten. Ich wollte mir nie eingestehen, dass ich keine Energie mehr habe und mich ausruhen muss. Wenn ich hier erkannt hätte, was los ist, hätte ich "umdrehen" können, um wieder die Treppe hoch zu gehen, zurück zu mir und dem wahren Leben zu finden. 

Wenn mich meine Freunde und meine Familie versucht haben darauf hinzuweisen, dass ich mir ruhig Zeit für mich und zum Ausruhen nehmen kann, fühlte ich mich bevormundet und gemaßregelt. Im Grunde habe ich versucht, das Bild aus Phase 1 zu wahren. 

Burnout-Phase 3: Du blendest die ersten Beschwerden aus

In dieser Phase bemerkst du, dass etwas nicht stimmt. ABER du willst auch hier auf keinen Fall zulassen, dass deine Leistung sinkt. Die ersten Beschwerden, wie Magenschmerzen, häufige Kopfschmerzen, Rückenschmerzen und heftige Nackenverspannungen blendest du vollkommen aus. Du sagst dir immer wieder, dass es wohl eine Magenverstimmung ist, du etwas Falsches gegessen hast oder dich verlegen oder was auch immer. Du findest für alles eine Erklärung. 

Jetzt steckst du so richtig drin. Du erfindest bewusst Ausreden für deinen Zustand, den du unbewusst genau kennst.

Der Körper kann eine Menge aushalten. Er zeigt dir immer wieder, dass du einen Gang herunterschalten muss. Aber du ignorierst ihn rigoros.

Ich habe mich in dieser Phase viel zu lange aufgehalten. Ungefähr 9 Monate. Aus heutiger Sicht habe ich mich und meinen Körper regelrecht gequält.

In dieser Zeit hat mich leider noch das Schicksal erwischt. Mein Kind war sterbenskrank. Er war zu der Zeit erst 18 Monate und wir haben noch gestillt. Er brauchte mich und zwar 210 Prozent. Und genau das habe ich ihm gegeben. Ich habe kaum geschlafen, mich kaum von seiner Seite bewegt.

Du darfst dir vorstellen, dass ich mich in der Zeit ausschließlich ungesund ernährt habe. Mal habe ich zu viel gegessen und teilweise viel zu wenig, viel zu viel Zucker und Weizenmehlprodukte. Zuerst ging mein Gewicht drastisch nach unten. Ich wog nur noch 43 Kilogramm, zuvor hatte ich 53 Kilogramm. Und dann wog ich "plötzlich" 73 Kilogramm. Den Spiegel habe ich in dieser Zeit ignoriert und deshalb ist mir diese Veränderung gar nicht bewusst aufgefallen. 

Mein Mann hat das natürlich wahrgenommen. Aber er hat sich nicht getraut auch nur einen Satz dazu zu sagen. Ich war viel zu angestrengt, gereizt und überhaupt nicht in der Stimmung über mich zu sprechen. 

Ich glaube meine Reaktion war hier ganz natürlich. Wäre dieser Schicksalsschlag nicht da gewesen, hätte ich in dieser Phase noch viel mehr Zeit verbracht, denn der körperliche "Schaden" wäre eventuell langsamer vonstattengegangen. Aber, es gibt immer ein ABER, ich weiß es nicht wirklich, was gewesen wäre wenn.

Vielleicht denkst du, dass es ja ganz klar ist, wenn man so etwas erlebt, dass man dann komplett am Boden und im Burnout ist. Tief traurig und am Boden ja, aber im Burnout nein. In den 2 Phasen zuvor habe ich meinen Burnout sehr gut vorbereitet. 😉 

Eines kann ich mit Sicherheit sagen: hätte ich zuvor (Phase 2) die Notbremse gezogen, hätte ich in der heftigen Zeit mehr Energie gehabt und ich hätte viel weniger Zeit gebraucht, um nach dem Schicksalsschlag wieder fit zu werden. 

Burnout-Phase 4: Du ziehst dich zurück

Die vierte Phase ist in meinen Augen die wichtigste Phase. Hier geht es schlagartig abwärts. Du ziehst dich vollkommen in dich zurück. Alles was von Außen kommt, ignorierst du. Gut gemeinte Ratschläge und Angebote zur Hilfe wendest du ab.

Du bist absolut beratungsresistent!

Ich habe tatsächlich geglaubt, dass mir nicht zu helfen ist und das ich es gar nicht verdient hätte. Das habe ich nie geäußert. Ich wollte ja keinen Gegenwind.

Und hier erkennst du an meiner Geschichte, dass sich das komplette Empfinden nach innen richtet. Zuerst war ich drauf aus, mein Bild zu wahren - das was äußerlich sichtbar gewesen ist. Innerlich ist ja zuvor nicht viel passiert. Und jetzt drehte sich schlagartig alles nach innen. Allerdings wieder nur von mir selbst aus gesehen. Die imaginäre Mauer um mich herum stand und jemand anderes hatte noch lange keinen Zutritt. 

Diese Phase war bei mir wirklich kurz. Ich würde sagen vielleicht 2 bis 3 Wochen. Hier zeigten sich dann auch weitere körperliche Probleme, wie zum Beispiel offene Stellen der Mundschleimhaut. 

Burnout-Phase 5: Du funktionierst nur noch

Du fühlst dich wie ein Roboter, der nur noch funktioniert. Du fühlst dich nicht mehr wie du und entfremdest dich von dir selbst. Du denkst, dass du emotionslos bist. Deine Mundwinkel zeigen nie nach oben und du willst dich verkriechen. 

Nur die nötigsten Sachen werden erledigt. Danach bist du erschöpft und ziehst dich zurück. Du willst nur noch deine Ruhe.

Ich hatte ständig das Gefühl wie unter einer Käseglocke zu sitzen. Mir war alles, was um mich herum passiert ist viel zu viel. Mein Kleiner war wieder einigermaßen fit und ist mit seinem Bobbycar um den Küchentisch gebraust und ich hatte das Gefühl, ich muss ausbrechen. Aber ich konnte nicht. Ich habe es nicht geschafft aufzustehen. Mein Körper war so schwach. Innerlich bin ich zusammengebrochen. Ich konnte kaum noch sprechen und wollte nur schlafen und weg. Dann kam auch schon der Hörsturz.

Ja, aber wohin denn. Im Prinzip wollte ich vor mir selbst fliehen. Und das geht nicht.

Burnout-Phase 6: Du bist total verzweifelt

In dieser Phase bist du körperlich und seelisch total erschöpft. Deine Stimmung ist depressiv. Es fällt dir schwer überhaupt zu denken oder irgendwas zu tun. Der Unterschied zur Depression ist hier, dass du da raus willst! Ein psychogen Depressiver will in der Akutphase nichts mehr, er will nicht mehr am Leben sein.  

Im Burnout ist die Suizidgefahr in dieser Phase sehr hoch. Aber die Betroffenen haben immer noch einen Lebenswillen. Sie sehen wofür und warum sie leben wollen, sie wissen nur nicht wie sie da rauskommen und es fehlt die Kraft darüber nachzudenken. In dieser Phase ist Unterstützung von Außen unerlässlich!

Ich war in dieser Phase zirka eine Woche. Und dann kam ein Moment, den ich mein Leben lang nie vergessen werde. Meine Mutti hat mir etwas zum Anziehen geschenkt. Ich sollte es anprobieren. Nun schleppte ich mich ins Schlafzimmer vor den großen Spiegel, legte meine Kleider ab, drehte mich um und stand unter Schock. Das war das erste Mal seit ewig langer Zeit, wo ich mich wirklich angesehen habe. 

Ich habe meinen körperlichen Zerfall gesehen, meine Augenränder, meine matten Augen, ohne Glanz, ohne Leben, meine herunterhängenden Schultern, mein Hintern, der nicht mehr da gewesen ist, meine unreine Haut, meine dünnen, fransigen Haare, meine Körperhaltung. 

Ganz kurz, ich sah wirklich schlimm aus. Gott sei Dank gibt es kein Foto. Das Bild in meinem Kopf reicht vollkommen aus, um zu wissen, dass ich da niemals wieder hin will.

Aber diesem Moment wusste ich was los ist und beschloss damit aufzuhören - aufzuhören mich selbst kaputt zu machen. Ich wusste in diesem Moment, das Niemand, auch nicht die Erkrankung meines Sohnes, daran Schuld hat, sondern ich ganz allein. 

Burnout ist in meinen Augen immer hausgemacht.

Nun gibt es nicht nur mein Burnout-Phasen-Modell, sondern noch viele andere.

Dr. Mansmann beschreibt zum Beispiel 12 Phasen, wohingegen Herbert Freudenberger nur 2 Phasen beschreibt. Christina Maslach beschreibt 3 Phasen. Dabei unterteilt sie die Phase 1 in 2 Unterpunkte. 

So unterschiedlich sind die Ansätze, aber auch deren Interpretationen. 

Dr. Mansmann - 12 Burnout-Phasen der Erschöpfung:

  1. Drang nach Anerkennung und übertriebener Ehrgeiz
  2. Übertriebene Leistungsbereitschaft
  3. Ausblenden der eigenen Bedürfnisse
  4. Ausblenden von Warnsignalen und Überforderung
  5. Verzerrte Wahrnehmung der Realität
  6. Ausblenden von ersten Beschwerden
  7. Rückzugsphase
  8. Beratungsresistenz baut sich auf
  9. Entfremdung
  10. Innere Leere
  11. Auftretende Depressionen
  12. Totale Erschöpfung

Herbert Freudenberger - 2 Burnout-Phasen-Modell:

Phase 1: Das empfindende Stadium

dazu zählt: Chronische Müdigkeit, Verdrängung negativer Gefühle, erhöhter Energieeinsatz bei gleichbleibender Leistung

Phase 2: Das empfindungslose Stadium

dazu zählen Symptome wie: Gleichgültigkeit, Langeweile, Ungeduld, Reizbarkeit, Schuldzuschreibungen, Psychosomatik, depressive Verstimmung

Christina Maslach - 3-Burnout-Phasen-Modell:

Phase 1a: Die emotionale Erschöpfung

Phase 1b: Die physische Erschöpfung

Phase 2: Dehumanisierung

Phase 3: Terminales Stadium

Ich wünsche dir, dass du deine Notbremse ziehst, bevor du in Phase 6 steckst! 

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Alles Gute für dich,

Kerstin

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