Warum ich tue, was ich tue. (Teil 1) - Burnout selbst behandeln

Warum ich tue, was ich tue. (Teil 1)

In diesem Artikel möchte ich dir ein bisschen mehr über mich schreiben, als das, was du bisher weißt.

Wahrscheinlich wird der Artikel etwas länger. 😉 Es ist gar nicht so leicht die eigene Geschichte aufzuschreiben.

Wenn mich heute jemand fragt, warum ich einen Burnout hatte, würde ich folgendes von meinem Leben erzählen.

More...

Über meine Kindheit und Jugend

Ich bin eine Macherin mit übergroßem Helfer-Syndrom, ehrgeizig, harmoniesüchtig und viel zu perfektionistisch. Schon immer gewesen. Als Kind habe ich mehr darauf geachtet, dass es meinen Mitmenschen gut geht, bevor ich mich um meine eigenen Interessen gekümmert habe. 

Eigene Interessen hatte ich viele. Aber vieles war nach Außen orientiert. Ich habe mich immer gefragt, was die "anderen" wohl mehr mögen. Es ging in meiner Vergangenheit weniger darum, was ich mag, sondern mehr darum, wie andere mich wohl gern hätten. Und wenn ich dann etwas gefunden hatte, was mir Spaß machte, hatte ich einen so hohen Anspruch an mich selbst, dass es in Arbeit ausartete.

Ich liebe die Menschen und ich bin voller Mitgefühl und helfe, wo ich nur kann. So habe ich Vieles an mich gerissen. Habe organisiert, gemacht und getan - meine Hilfe angeboten und immer ein offenes Ohr gehabt. Ich habe Ratschläge gegeben, die mein Gegenüber wohl gar nicht hören wollte. Aber die Impulse in mir wollten raus. Ich wollte helfen und zwar auf Biegen und Brechen. 

So habe ich in meiner Jugend oft Zurückweisung erlebt, was mich viel Energie gekostet hat. Ich habe trotzdem nicht aufgegeben.

Ferne Länder - andere Welt - neues ICH

Immer wenn wir verreist waren, hatte ich ein anderes Ich-Gefühl. Ich war viel mehr bei mir. Salsatanzen wurde meine große Leidenschaft. Lateinamerika war oft unser Reiseziel, für die ganze Familie. Das war für mich immer wieder ein Highlight.

In der Reisezeit war ich aus dem gewohnten Umfeld raus und scheinbar hatte niemand Erwartungen an mich. So konnte ich mein ICH leben.

Komisch oder? Letztendlich waren es nicht die Erwartungen der anderen an mich, sondern meine eigenen. Aber das sollte ich erst später feststellen.

Schule und Ausbildung

Die Schulzeit war für mich keine schöne Zeit. Ich war so damit beschäftigt allen zu gefallen, dass ich kaum Energie zum Lernen hatte. Ich habe wenig bis gar nicht gelernt. Mir war auch ehrlich gesagt nie klar, warum ich den ganzen "Mist" überhaupt lernen muss. Ich empfand es als unsinnig, weil ich wusste, dass ich das Meiste nie brauchen werde. Trotzdem war ich ehrgeizig und wollte gute Noten, also habe ich mich psychisch unter Druck gesetzt. Meine Leistungen war immer gut - für mich nie gut genug

Mein Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein war kaum bis gar nicht ausgeprägt. Ich weiß noch, dass ich mich immer minderwertig gefühlt habe. Ich hatte Stress damit zwischen so vielen Menschen zu sein, mich zu zeigen und gesehen zu werden. Durch mein Auftreten habe ich versucht mich zu schützen. Ich zog mich mehr oder weniger "schick" an, ging aufrecht und so weiter. Ich habe mir eine Fassade geschaffen und hoffte, dass niemand durchblicken konnte.

Und mit großer Wahrscheinlichkeit haben meine Mitschüler das ganz anders bewertet. Wer weiß, vielleicht kommentiert das ja hier jemand, der mich von früher kennt. 😉

Nach dem ABI wollte ich unbedingt Jura studieren. Ich bin kläglich gescheitert. Schon nach nur 3 Semestern war die Luft raus. Ich konnte nicht mehr. Es ging einfach nicht in mein Hirn. Für mich war das alles sehr unfair und total unverständlich, weil Vieles für mein Verständnis nichts mit "Recht" zu tun hatte. Trotzdem habe ich es weiter versucht, weil ich doch unbedingt was "Großes" schaffen wollte. Solange bis ich heulend in meinem Zimmer saß und nicht mehr weiter wusste. Dort haben sich die ersten kleinen Warnsignale gezeigt. Ich hatte immer mehr Schwierigkeiten raus zu gehen. Sogar das Einkaufen viel mir schwer. Ich beeilte mich so sehr, weil ich nicht gesehen werden wollte. Beziehungsweise wollte ich nicht, dass jemand meine Unsicherheit sieht.

Zum Glück konnte ich die Reißleine gerade noch rechtzeitig ziehen.

Ich startete einen neuen Versuch und entschied mich für ein duales Studium. Diese Zeit des Studiums hat mich noch mehr Kraft gekostet, aber sie hat mir auch sehr viel gegeben. In den 3 Jahren habe ich viel über mich gelernt. 

Ich landete in einer ganz neuen Umgebung und hatte einen Neuanfang vor mir. Dort habe ich erfahren, was ich alles schaffen kann und wieviel Kraft in mir steckt. Ich bin an meine körperlichen und emotionalen Grenzen gegangen und das war aus heutiger Sicht sehr gut für mich. Jetzt wusste ich, wer ich bin. Glaubte ich.

Jetzt wusste ich auch, dass ich kein Mensch für einen Angestelltenjob bin.

Meinen Kraftverlust konnte ich mit Salsatanzen ausgleichen. Jedes Wochenende. Dafür habe ich meine letzten 5 Euro ausgegeben. Und auch das war aus heutiger Sicht genau richtig. Sonst hätte ich das auch nicht geschafft. Das war also eine gute Strategie zur Stressbewältigung für mich.

Ich wollte meine Ideen verwirklichen

Nach dem Studium habe ich mich sofort selbstständig gemacht, noch eine Ausbildung als Hypnosecoach hintendrin gehängt und gearbeitet. Nur noch gearbeitet. Ich musste mir Geld leihen, um über die Runden zu kommen. Unbedingt wollte ich mir meine eigene Existenz aufbauen. Nach langem Kampf habe ich es geschafft.

Aber dann....

Im zweiten Teil meiner Geschichte erfährst du, wie ich ins Burnout gerutscht bin, warum ich ein Jahr in dem Zustand verbracht habe und wie ich allein wieder herausgefunden habe.

Click Here to Leave a Comment Below