Warum ich tue, was ich tue. (Teil 2) - Burnout selbst behandeln

Warum ich tue, was ich tue. (Teil 2)

In meiner Selbstständigkeit fühlte ich mich sehr wohl. Mein eigener Chef zu sein gab mir sehr viel Freiheit. Ich fühlte mich seelisch besser, nicht mehr eingeengt. Aber gleichzeitig hatte ich viel weniger Freizeit. Gerade zum Start hatte ich ständig das Gefühl, dass ich finanziell nicht über die Runden kommen kann.

Ich habe viel und gerne gearbeitet. Anfangs habe ich mir einen Praxisraum in meiner Wohnung eingerichtet. Das war sehr gut. So konnte ich die Miete sparen. Gleichzeitig konnte ich meiner Arbeit nie entkommen. Ich habe mir keinen klassischen Feierabend gegönnt.

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Ich wollte den Erfolg - unbedingt.

Um finanziellem Druck zu entgehen, habe ich nebenbei im Fitnessstudio Kurse gegeben und in einer anderen Firma ein paar Stunden in der Woche im Büro gearbeitet. Beide Tätigkeiten gaben mir eine gute Abwechslung und haben mir viel Spaß gemacht. 

Trotzdem habe ich immer wieder an mir gezweifelt und gedacht, dass ich zu wenig tun würde. Ich war sehr ehrgeizig und wollte unbedingt den Erfolg

Da ich so verkopft war, habe ich meinen Erfolg ganz übersehen. Aus heutiger Sicht bin ich sehr erfolgreich gewesen. Meine Praxis lief sehr gut und meine Patienten waren sehr zufrieden.

Und meine beiden anderen Arbeitgeber waren auch zufrieden mit meiner Leistung. Nur ich nicht. Warum? Das kann ich heute immer noch nicht beantworten. Ich hätte stolz auf mich sein sollen

Noch mehr Druck

Irgendwann habe ich mich entschieden Praxisräume zu mieten. Ich wollte nicht mehr in meinen 4 Wänden arbeiten. Damit habe ich mir auf einen Schlag noch mehr Druck gemacht.

Ich war eine Sorge los, eben das ich nicht mehr zuhause arbeiten musst und nahm die nächste Sorge, den finanziellen Druck, auf mich. Und finanzieller Druck kann wirklich hart sein. Ich musste meine Preise anheben, um mir die Praxis leisten zu können. Nun sind 2 Dinge passiert. Ich hatte durch die Räumlichkeiten mehr Außenwerbung und mit mal viel mehr Patienten. Meine Arbeit hat sich herumgesprochen und es kamen Menschen zu mir, die mehr als 200 Kilometer weit entfernt wohnten. 

Die Arbeit mit meinen Patienten habe ich geliebt. Es ist mir so eine große Freude zu helfen und zu sehen, dass es meinem Gegenüber besser geht.

Von da an habe ich noch mehr gearbeitet und trotzdem meine 2 anderen Jobs behalten. 

Böse Zeit

Alles war wirklich gut. Und mir ging es auch gut. Von außen betrachtet. 

Innerlich bin ich ein Nervenbündel gewesen, weil ich immer wieder geglaubt habe, dass es nicht ausreicht. Obwohl ich wusste das alles gut und sicher ist. Und vor allem war es nicht mal klar, was nicht ausreicht. Es ging dabei nicht unbedingt um meine finanzielle Situation.

Dann kam Weihnachten, Urlaub bei meiner Familie. Ich kann mich erinnern, dass ich wenig bis gar nicht gesprochen habe. Ich wollte meine Ruhe und habe mich zurückgezogen, habe viel geweint - ganz ohne Grund - und sehr viel geschlafen.

Nach 3 Wochen ging es mir etwas besser. Ich hatte 5 Kilogramm mehr auf den Rippen und habe so weiter gemacht, wie zuvor.

Obwohl ich als Heilpraktikerin für Psychotherapie gearbeitet habe und mich schon immer mit ganzheitlichen und auch unkonventionellen Therapiemethoden befasst habe, habe ich meine Symptome vollkommen ignoriert

Damit will ich sagen, dass auch ich nur ein normaler Mensch bin. Wir glauben immer, dass es wieder besser wird und wenn es dann besser ist, wozu sollen wir etwas verändern. Es funktioniert doch. Also geht es immer so weiter.

Ja, so lange, bis die Quittung kommt.

Und die Quittung kam...

... und zwar heftig. Sie kam viel später. Aber es ging in der gesamten Zeit zwischen dem geschilderten Weihnachten dem Nervenzusammenbruch mäßig bis schlecht. Ich war nie in meiner Kraft und schon gar nicht meiner Mitte. Ich hatte viel Rückenschmerzen, Kopfweh, Magenschmerzen und Schwindel.

Ein Burnout war also die gesamte Zeit über präsent. Und ich schob es täglich weg. Meine Familie und mein Mann sagten immer wieder, dass ich etwas tun muss und das es offensichtlich ist, dass es mir nicht gut geht. Auszeiten habe ich mir kaum gegönnt.

Dann wurde ich Mutter. Ein Jahr und neun Monate später wurde mein Kind krank - sterbenskrank. Und das gab mir den Rest. Mein Kleiner brauchte mich nun zu 100 Prozent. Ich mobilisierte all meine letzten Kräfte. Als er es dann nach mehr als einem Jahr Intensivtherapie geschafft hatte und es ihm besser ging, ging es mit mir so richtig bergab.

Er war gefühlt sicher, nun konnte ich zusammenbrechen. Nicht bewusst natürlich. Aber du kennst das, viele Menschen werden in ihrem Urlaub krank. Sie halten so lange durch, bis sie sich unbewusst die Erlaubnis geben, im Urlaub loslassen zu dürfen. 

Im Teil 3 meiner Geschichte beschreibe ich dir, wann ich eingesehen habe, dass ich etwas tun muss und wie ich es allein geschafft habe meinen Burnout zu heilen.

Alles Liebe,

Deine Kerstin

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