Warum ich tue, was ich tue. (Teil 3) - Burnout selbst behandeln

Warum ich tue, was ich tue. (Teil 3)

Nun war ich drin, aber so richtig. Der Burnout hatte mich in seinen Fesseln.

Viel früher hätte ich beginnen müssen, um es nicht so weit kommen zu lassen. Aber das habe ich nicht getan, denn meine Aussage war immer: "Das wird schon wieder."

Heute weiß ich, dass es hätte nie zu einem Nervenzusammenbruch, einem Hörsturz und völligem Kraftverlust kommen müssen.

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Im Rückblick

Wenn ich jetzt so zurückblicke, dann kann ich dir sagen, dass der schwerste Moment gewesen ist, überhaupt einzusehen, dass ich etwas tun muss. Ich wollte das nicht sehen. Bis zu dem Moment, den ich dir im vorherigen Beitrag beschrieben habe.

Burnout wird nicht im Gespräch geheilt. Denn hier geht es um Verhaltensmuster und Eigenschaften der Persönlichkeit. Es geht darum, wie du zu dir selbst stehst, was du von dir erwartest (meistens zu viel). Und es geht um Selbstliebe, Selbstbewusstsein und die innere Balance.

Und es reicht nicht immer wieder zu sagen "Ich muss was tun", wenn du dann nix tust. Die Frage ist auch wirklich, was genau richtig ist - was für dich richtig ist. Vielleicht hilft dir eine Auszeit oder ein langer Urlaub. Wenn deine Zellen aber so leer sind, wie meine es waren, kann Urlaub und Auszeit nicht mehr helfen.

Meine Symptome waren eindeutig: Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Magenschmerzen, Kraftverlust, Hörsturz, Schwindel, Übelkeit, Gedankenkreisen und zum Schluss der Nervenzusammenbruch.

Hätte ich angefangen mich selbst zu behandeln, als meine Familie mich darum gebeten hat, hätte ich mir höchstwahrscheinlich den Hörsturz, den absoluten Kraftverlust und den Nervenzusammenbruch erspart.

Mein Weg - Mein Glück

Mein Weg war echt steinig und schwer. Mein Arzt hat immer wieder gesagt, dass ich eine Auszeit brauche. Einen Urlaub. Das war in meiner Situation überhaupt nicht möglich und ich wusste, dass es mir nichts bringen würde. Denn wenn ich einen Urlaub gemacht hätte, hätte sich doch nach meiner Rückkehr nichts geändert. Wie denn auch, ich hätte ja in der Ferne nichts getan, dass sich etwas ändert.

Mein Sohn brauchte mich immer noch intensiv. Wir haben noch gestillt. Also wie sollte ich bitte eine Auszeit nehmen oder einen Urlaub machen?

Also musste ich mir selbst helfen. Da es mir sehr schwer fiel zu reden, habe ich angefangen meine Gedanken aufzuschreiben und zu sortieren. Daraus ergab sich für mich, dass es zuerst notwendig ist, meinen Schlaf zu verbessern.

Die schlimmste Zeit

Die Nächte waren die schlimmste Zeit. Ich konnte überhaupt nicht mehr schlafen. Bei jeder Kleinigkeit war ich wach. Ich war völlig im "Hab-Acht-Modus". Meistens lag ich stundenlang wach und wünschte mir, dass die Nacht endlich vorbei ist. Gegen Morgen war ich dann endlich eingeschlafen und dann musste ich aber wieder aufstehen. 

Ich musste mir etwas überlegen, um leichter abzuschalten und mein Gedankenkreisen in den Griff zu bekommen.

Da fiel mir Selbsthypnose ein. Ich überlegte mir eine geeignete Meditation. Die funktionierte nicht in der ersten Nacht und auch nicht in der zweiten. Aber schon nach nur einer Woche hatte ich es geschafft und wieder ein fast normales Schlafverhalten.

So hatte ich die eine Hürde gemeistert und wusste, dass ich den Rest auch noch schaffen kann. Es macht so viel aus, wenn auch nur ein kleiner Lichtblick am Horizont zu sehen ist.

Das gab mir Mut.

Leere Zellen

Ich kroch wirklich die Treppe hoch, so schwach bin ich gewesen. Meine Muskeln waren schon am Frühstückstisch vollkommen ermüdet. Mir taten die Beine so weh. Ich kann das gar nicht richtig beschreiben. Aber vielleicht kennst du dieses Schweregefühl auch.

Mein Hörsturz war so übel, dass mir den ganzen Tag schwindelig gewesen ist. Ich wollte mich nur noch zurückziehen und nichts mehr tun. Alles war zu viel und viel zu laut. Am liebsten hätte ich nur gewartet, bis es endlich aufhört. Das ging aber nicht.

Wenn die Zellen leer sind, müssen sie aufgefüllt werden. Ich musste mich wirklich überwinden, meine Ernährung zu ändern. Anfangs habe ich gedacht, dass würde ich nie schaffen und ich habe jeden Tag an dieser Entscheidung gezweifelt. Am vierten Tag fing ich schon an darüber zu diskutieren. Ich wollte Ausreden suchen und erfinden, um diesen Weg nicht weiter gehen zu müssen. Daran konnten mein Mann und meine Mutti feststellen, dass es langsam bergauf ging. 😉 Ich habe wieder gesprochen und zwar mit Sinn und Verstand, kein energieloses und monotones Ja- und Neinsagen mehr.

Jetzt lohnt es sich dran zu bleiben

Und genau dieses Nicht-weiter-machen-wollen ist total normal. Der Körper und die Psyche nehmen Veränderungen wahr und wollen zum Beispiel die Zuckersucht wieder stillen und dich in die alte "Rolle" zwingen. Jetzt lohnt es sich wirklich dran zu bleiben, weil diese Phase wirklich sehr kurz ist

Ich vergleiche das gern mit einer Geburt. Wenn du Kinder geboren hast, weißt du, dass es kurz bevor das Kind zur Welt kommt, diesen Moment des Rückzugs (aufgeben wollen) gibt.

Und so ähnlich ist es auch, wenn du deinen Burnout/Erschöpfungszustand, wie ich es gemacht habe, selbst behandelst. Also weitermachen, auch wenn du das Gefühl hast, dass das Alles nichts bringt und du nicht zum Ziel kommst.

Bei mir hat es innerhalb einer Woche so gewirkt, dass ich wieder mehr Energie hatte. Ich habe sogar angefangen ein paar Fitness-Übungen zu machen. Ab jetzt waren meine Zweifel kaum noch vorhanden.

Das Gefühl, verloren zu sein

Die Bewegung gab mir wieder das Gefühl zu mir zurück. Ich weiß nicht, ob du das kennst - als ich den Nervenzusammenbruch hatte, wusste ich kurze Zeit nicht, ob ich in meinem Körper oder außerhalb bin. 

Ich hatte das Gefühl, verloren zu sein.

Nach nur 2 Wochen leichten Fitnessübungen wusste ich, dass ich wirklich auf dem richtigen Weg war. Es ging mir täglich besser. Man konnte es sehen. Ich bin aufgeblüht, wie eine Blume. Heute finde ich es sehr schade, dass ich keine "Beweisbilder" habe. Ich wollte mich einfach nicht fotografieren lassen.

Insgesamt habe ich mich 5 Wochen "therapiert". Also nur mit diesen "Mitteln": Meditation, Atemübungen, Ernährung und Bewegung. Meine Energie hat täglich zugenommen und ich hatte wieder Lust am Leben. Ja so kann man das sagen.

Lust am Leben

Ich fing wieder an zu spüren, zu lachen und zu leben. Vielleicht denkst du gerade, dass ich schon depressiv gewesen bin. Nein, das war ich nicht. Das ist noch eine andere Qualität. 

Aber stell dir vor, ich hätte nicht angefangen und noch weiter "Das wird schon wieder" gesagt ...

Was wäre dann passiert? Vielleicht eine psychogene Depression. Wer weiß. Aber daran will ich gar nicht mehr denken.

Ein Jahr

Nun ist ein knappes Jahr vergangen und ich bin immer noch dran, an mir zu arbeiten. Die Rückfallquote bei Burnout ist sehr hoch. Sie liegt bei 50 %. 

Und ich kann dir sagen, dass ich das auf keinen Fall nochmal erleben möchte. Wenn ich zu sehr perfektionistisch bin oder sich mein Helfer-Syndrom zu sehr zeigt, weiß ich, dass ich einen Gang zurückschalten muss. 

Eine sehr gute Übung ist für mich das tägliche Reflektieren meines Tages am Abend. 

Warum ich meine Geschichte hier mitteile

Ich hoffe, dass du erkennst, wie wichtig es ist, so schnell wie möglich zu handeln. Auch wenn es sich wie eine Prävention anfühlt - besser so, als ein Nervenzusammenbruch.

Mit meiner Geschichte möchte ich dir helfen, besser einschätzen zu können, wo du gerade stehst. Und ich möchte dir wertvolle Impulse geben. 

Schau dir deine Symptome an und überlege, wie deine Lebensqualität ohne diese Symptome wäre. 

Alles Gute für dich,

Deine Kerstin

Weitere Teile meiner Geschichte:

Teil 1 meiner Geschichte

Teil 2 meiner Geschichte

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